Caroline Junge

M.A. Erziehungswissenschaft
Kontakt: caroline.junge(at)student.hu-berlin.de

 

Dissertationsvorhaben

Thema: Im Raum der Bild-ung? Ethnografische Erkundung des Sozialraums Schule aus Perspektive junger Menschen mit Fluchterfahrung (Arbeitstitel)

Abstract: In meinem Promotionsprojekt wird der Versuch unternommen, Schule als Sozialraum in den Blick zu nehmen und dadurch den Fokus auf Praktiken jenseits des Unterrichtens zu richten.

Im Rahmen eines inklusiven Forschungsdesigns ist die Forschungsfrage auf die Perspektive von Schüler*innen mit Fluchterfahrung ausgerichtet. Dieser „strategische Essentialismus“ (Spivak 1981) dient dazu, einen Beitrag zu einer systematischen Thematisierung von Migration zu leisten, welche in der Wissenschaftslandschaft ein noch junges Phänomen darstellt. Zugleich soll damit der dominante Diskurs, in welchem der Zusammenhang von Bildung und Migration v.a. im Kontext gelingender Integration (in das bestehende System) diskutiert wird, konterkariert werden (vgl. Mecheril 2013).

Für die ethnografisch-praxeologische Perspektive auf Schule als Sozialraum sind zum einen die (Raum-) Erfahrungen der Schüler*innen sowie zum anderen Praktiken der Subjektivierung von Interesse. Zentral ist hierbei die These, „dass die Schule eine Alltagswelt darstellt, in der deutlich mehr geschieht als Schulunterricht“ (Hillebrandt 2014, S. 429). Methodologisch soll dieses mehr als Schulunterricht mittels partizipativer Forschung – also durch den aktiven Einbezug der Schüler*innen in den Forschungsprozess – erfasst werden (vgl. von Unger 2014). Hierbei wird auf die Methode Photovoice zurückgegriffen, indem die Schüler*innen ihren Schulalltag – auf vorab partizipativ erarbeitete Perspektiven hin – fotografisch dokumentieren sollen. Da Fotografie als Forschungsmethode, welche einem bestimmten Forschungsinteresse nachgeht, nicht von der jeweiligen situativen Praxis des Fotografierens zu trennen ist, soll zugleich genau diese Praktik des Fotografierens selbst mit in den Blick genommen werden:

„Eine Aufnahme zu machen, ist selbst schon ein Ereignis, und zwar eines, das immer mehr gebieterische Rechte verleiht: sich einzumischen in das, was geschieht, es zu usurpieren oder aber zu ignorieren. Unsere Einstellung zur jeweiligen Situation wird jetzt durch die Einmischung der Kamera artikuliert“ (Sontag 1977, S. 17).

So erhebt das Projekt ein doppeltes Erkenntnisinteresse: a) Praktiken der Subjektivierung sowie Raumerfahrungen innerhalb von Schule zu rekonstruieren sowie b) das Erhebungsinstrument des Fotografierens selbst als Praktik in den Blick zu nehmen und daraufhin zu befragen, welche Möglichkeitsräume der „widerständigen Positionierungen“ (Ploder 2013, S. 141) sich hier eröffnen und welche Rolle Fotografie als ästhetisch-künstlerische Strategie hierbei einnimmt.