Robert Aust

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1. Statsexamen Lehramt Gymnasium, Kunst- und Geschichtspädagogik
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Dissertationsvorhaben

Thema: Die Verwaltung von Behinderung. Eine wissenssoziologische Diskursanalyse von Universitäten

Abstract: Bisherige Untersuchungen im deutschen Sprachraum zu Hochschulen im Kontext von Behinderung und Inklusion konzentrieren sich vorrangig auf professionstheoretische Fragen des Lehrpersonals oder zukünftiger Lehrenden, sozio-ökonomischen Realitäten von Studierenden mit Beeinträchtigung, Fragen nach inklusionssensiblen Lehrszenarien, Diversity-Managment und auch institutionellen-formalen Barrieren an Hochschulen. Fragestellungen, welche sich den Diskursdispositiven, den Positionen einzelner Akteure und Subjektivierungsprozessen innerhalb des Feldes widmen, sind nicht vorhanden. Dabei sind die Wirkmächtigkeiten verschiedenster (sozialer, medizinischer, kultureller) Diskurse und deren Konsequenzen für Behinderung als strukturierende, formende Kategorie von Wirklichkeit, hier im Sinne einer dichotomen Kategorie zu Normalität, längst als Feld wissenschaftlicher Auseinandersetzungen etabliert (Waldschmidt 2005). Für eine Umsetzung der UN-BRK in tertiären Bildungsräumen wäre es daher notwendig, Prozesse und Diskurse in den Blick zu nehmen, die es erst oder (immer) wieder ermöglichen, über Behinderung und Personen mit „Behinderung“ zu sprechen und deren Wirklichkeiten zu formen.

Das vorliegende Promotionsvorhaben rekonstruiert, in Anbindung an das sozio-kulturelle Modell von Behinderung der Disability Studies (Waldschmidt 2005), wie Behinderung durch Akteur*innen im Feld Hochschule hervorgebracht wird. Konkret:

WIE werden Behinderung und Normalität im Feld Hochschule hervorgebracht und (re)formuliert und WELCHE diskursiven Praktiken und Formationen für und von Behinderung(en)-Normalität(en) lassen sich im Forschungsfeld Hochschule (re-)konstruieren?

Die Hypothese ist, dass von einer Produktivität des Diskursiven auszugehen ist, sodass Behinderung sich nicht auf formal vorgängige soziale Ordnungen berufen kann und daher im Positionieren im Feld immer wieder neu (diskursiv) durch Akteur*innen geschaffen wird und geschaffen werden muss. Dabei wird in Anbindung an die Wissenssoziologische Diskursanalyse (Keller 2011) und unter Hinzunahme der Explanatory-Legitimacy-Theory (DePoy & Gilson 2004) Fragen nachgegangen, die sich mit Subjektivierungsprozessen, Wissensordnungen und Diskursdispositiven von Behinderung im Feld Hochschule auseinandersetzen. Somit ist es möglich, eine „Ordnung der Behinderung(en)“ im Raum Hochschule zu rekonstruieren. Zentrales Anliegen ist es, Erkenntnisse über Diskurslogiken und –praxen zu Behinderung aufzuzeigen und damit dem Feld der Disability Studies als auch forschungspraktischen Bereichen von Studienberatung, Studienzugang und somit für den Alltag „Studium“ neue bzw. erweiterte Wissensstände zuzuführen. Als Analysematerialien dienen Interviews mit Mitarbeitenden der Universitäten Leipzig (Deutschland) und Gent (Belgien).

Literatur:
DePoy, E. & Gilson, S. F. (2011). Studying disability. Multiple theories and responses. Los Angeles: Sage.
Keller, R. (2011). Wissenssoziologische Diskursanalyse. Grundlegung eines Forschungsprogramms (3. Aufl). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Waldschmidt, A. (2005). Disability Studies. Individuelles, soziales und/oder kulturelles Modell von Behinderung? Psychologie und Gesellschaftskritik. Special Topic Disability Studies, 29 (1), 9–31.